Der neue CommTech Index zeigt: Die Branche tritt auf der Stelle – und das Tempo der Technologie überholt sie
Mit dem CommTech Index Survey 2025/2026 legt die AG CommTech in Kooperation mit DPRG, PRVA und ComImpact zum dritten Mal eine Bestandsaufnahme des Digitalisierungsgrades im Kommunikationsmanagement vor. 507 Kommunikationsverantwortliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben teilgenommen. Der neue Indexwert von 38 von 100 Punkten markiert – nach zwei stabilen Jahren mit 45 Punkten – einen deutlichen Rückschritt. Die Branche erlebt einen „Red-Queen-Effekt“: Obwohl Kommunikationsverantwortliche schneller laufen, kommen sie im Digitalisierungsrennen nicht mehr mit. Beim Convento PR-Impuls am 9. Dezember interpretierte Thomas Mickeleit die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage:
Zentrale Erkenntnisse des CommTech Index 2025/2026
1. Der Red-Queen-Effekt: Rückgang des Digitalisierungsgrades
Die technologische Entwicklung – insbesondere bei KI-Funktionen, Systemintegration und Automatisierung – schreitet rasant voran.
Kommunikationsabteilungen können in ihren Lern-, Umsetzungs- und Anpassungsprozessen jedoch nicht mithalten. Ergebnis: Der Index fällt auf 38 Punkte. Die Kluft zwischen technologischer Entwicklung und praktischer Umsetzung wächst.
2. Große Organisationen ziehen davon – die digitale Kluft wird breiter
Hinter dem Durchschnitt verbergen sich extreme Unterschiede:
Große Abteilungen (>20 Mitarbeitende): 42 Punkte
Kleine Teams: 35 Punkte
Große Agenturen: 46 Punkte (und damit erneut vor den Unternehmensabteilungen)
Damit wird Digitalisierung zunehmend zum Wettbewerbsnachteil für kleine Teams, die kaum Ressourcen für strukturelle Weiterentwicklung haben.
3. 59 % zählen sich zur „späten Mehrheit“, „Nachzüglern“ oder „Außenseitern“
Die Selbsteinschätzung zeigt: Die Branche wird sich der komplexen Herausforderungen der Digitalisierung bewusst. Je weiter die Organisationen in der Digitalisierung voranschreiten, je selbstkritischer werden sie. Deshalb sehen sich größere Kommunikationsabteilungen kritischer, was ihren Digitalisierungsstatus angeht, als kleinere.
4. Ein tiefer Intentions–Implementations-Gap
Der Survey macht eine fundamentale Lücke sichtbar: Was geplant wird, sind höhere Tech-Budgets, mehr Automatisierung, strukturelle Initiativen. Was tatsächlich passiert: Nur 10 % investieren mehr als 25 % ihres Budgets in Technologie. Ein Viertel weiß nicht einmal, wie hoch die Tech-Ausgaben sind. Kurzfristige Maßnahmen dominieren, und die meisten betreiben Tool-Kauf statt echter Transformation.
5. KI ist überall – aber kaum verankert
Die Zahlen zeigen eine paradoxe Situation: 88 % experimentieren mit KI-Tools und 8 % nutzen KI produktiv mit Agents.
Aber nur 6 % haben ihre Organisation strategisch auf KI ausgerichtet. Das heißt, es gibt eine breite Nutzung, aber nur eine sehr geringe strukturelle Integration. KI bleibt für viele ein Add-on, kein Transformationsmotor. Strukturelle Kompetenzen fehlen weiterhin.
6. CRM & Datenstrukturen bleiben Schwachpunkt
46 % nutzen CRM-Systeme
46 % arbeiten mit Mediendatenbanken
32 %: Excel, das ebenfalls einen Zuwachs verzeichnet,
6 % haben gar kein strukturiertes Kontaktmanagement
Ein CRM ist jedoch ein zentraler Digitalisierungsindikator – und diese Zahlen zeigen, dass viele noch rudimentär aufgestellt sind.
7. Wirkungsmessung stagniert
Viele Kennzahlen – wenig Erkenntnis: Der Fokus liegt auf Outputs statt auf strategisch relevanten Outcomes.
Es gibt Silos zwischen Kommunikations- und Unternehmenskennzahlen, und integrierte Dashboards sind kaum vorhanden.
Ohne datenbasierte Steuerung bleibt Kommunikation jedoch reaktiv.
8. Organisation: Etwas professioneller – aber kaum datengetrieben
75 % berichten direkt an die Geschäftsführung
88 % der großen PR-Abteilungen haben direkten Top-Management-Zugang
39 % haben keine dedizierte Analytics-Verantwortung
Das Mandat ist da – die analytische Kompetenz fehlt jedoch.
9. Post-Effizienz-Phase: Vom „Schneller“ zum „Intelligenter“
Auch das zeigt einen Reifeprozess: Zeitersparnis bleibt der Hauptvorteil digitaler Tools, sinkt aber deutlich (–13 Prozentpunkte)
Der strategische Nutzen rückt in den Fokus. Die digitale Transformation zielt nicht mehr nur auf Tempo, sondern auf Qualität, Relevanz und Steuerungsfähigkeit.
10. KI-Paradox: Demokratisierung – mit spaltender Wirkung
KI könnte theoretisch den Zugang zu technologischer Exzellenz erleichtern. In der Praxis verstärkt sie jedoch Ungleichheiten: Teams mit Daten, Tools, Governance und Ressourcen profitieren massiv. Kleine Teams bleiben dagegen in der Experimentierphase stecken.
Der Weg führt über vier Stufen:
1. Punktuelle Nutzung von Tools
2. Strukturiertes Experimentieren
3. Etablierte KI-Anwendungen
4. KI-Integration mit Governance
Die meisten Organisationen stehen aktuell bei Stufe 1 oder 2.
„Triple A“ als Zukunftsformel
Erfolgreiche Teams kombinieren:
A – Agilität
Wandel akzeptieren – Prozesse kontinuierlich verbessern.
A – Adaption
Neue Technologien aktiv beobachten und bewerten.
A – Aktion
Schnell handeln, statt lange planen.
Doch: Nur 51 % sehen ihre Technologie-Adaptionsfähigkeit als gut – ein deutliches Minus gegenüber 2023.
Das wichtigste kulturelle Ergebnis: Mindset schlägt Tool-Wissen
Die Top-Zukunftskompetenzen:
Neugier (73 %)
Effektives Prompting (60 %)
Lebenslanges Lernen (55 %)
Change-Kompetenz (52 %)
Der größte Engpass liegt also weniger in Tools – sondern in persönlicher Lernkultur und Haltungsfragen.
Wir danken Thomas Mickeleit für diese Interpretation der diesjährigen Befragungsergebnisse und sind gespannt auf die weitere Entwicklung!
